Slowness


  • 16. Juni

    Dieser Eintrag ist ein Kommentar zur Ausstellung des Künstlers Bernhard Seidel
    in der Produzentengalerie  
    "UmweltTraum und Wirklichkeit"

     

    Selbstermächtigung

    statt Konsum

     

    Selbstermächtigung statt Konsum Wolf Werdigier 2020 i

    A. Einleitung

    Die Zerstörung unserer Umwelt und die Notwendigkeit einer Kursänderung stellt heute kaum mehr jemand in Frage und trotzdem ist völlig ungeklärt, wie diese zustande kommen könnte, wenn alle Beteiligten am Bisherigen festhalten.

    In der gegenwärtige Corona Krise und vor allem durch die Situation des „shut down“ habe wir Erfahrungen neuer Lebensformen gesammelt, die viel eher zu Kursänderungen führen könnten, wenn wir sie nur ernst nehmen und nicht ohne Veränderungen zur Normalität zurückkehren.

    Es gibt eine Reihe von Beispielen,die Bausteine einer neuen Utopie sein könnten, wie etwa:

    Beispiel 1

    Am klarsten stellt sich die neue Erfahrung des Ersatzes von Reisen durch Zoom Konferenzen dar. Es zeigte sich quer durch alle Branchen, dass sowohl Auto Reisen als auch Flugreisen zu einem beträchtlichen Teil durch Internet Konferenzen ersetzt werden können.

    Beispiel 2

    Durch die Arbeit vom „home office“ und zum Teil auch Kinderbetreuung zu Hause, zeigten sich wesentlich höhere Anforderungen an die Wohnung. Wesentlich höhere Flexibilität der Grundrisse, leichte Grundrissveränderungen, starke Integration der Natur im Wohnen, sind Anforderungen, die völlig neue Wohnformen denken lassen sollten.

    Beispiel 3

    In der Wirtschaft insgesamt könnten die nun in großem Umfang ausgeschütteten Investition- und Förderungsmittel zwischen sinnvollen Jobs und „bullshit jobs“ (David Gräber) stärker unterscheiden.

    Selbstermächtigung statt Konsum Wolf Werdigier 2020 iii

    Beispiel 4

    Durch die Einstellungsänderungen von Schüler, Eltern und Lehrer während der Schul-Schließungen könnten völlig neue Lehrpläne angedacht werden: Der Umgang mit Ungewissheit, der Einbau von Freiräumen, die Berücksichtigung der unmittelbaren Betroffenheit der Schüler.

     

    B. Das Anliegen

    Nicht ein Beispiel, sondern ein Anliegen, welches die Kunst und Künstler direkt betrifft:

    Der tendenzielle Ersatz der Konsumgesellschaft durch eine Erweiterung (oder Rückgewinnung) einer Kultur der Selbstermächtigung.

    In der Krise des Corona „shut downs“ erlebten wir unsere Abhängigkeit vom Konsum und unsere Abhängigkeit von einer „Art Selbstverwirklichung“ durch Konsum. Wir verschaffen uns Glück durch schnellen Konsum. Durch die „shut down“ Verordnungen war der Konsum für kurze Zeit gänzlich unterbrochen.

    Selbstermächtigung statt Konsum Wolf Werdigier 2020

    Da wir uns mit den konsumierten Waren identifizieren, ist der Konsum eine „Art Selbstverwirklichung“, oder zumindest ein Ersatz für diese.

    Zum ersten Mal wird uns vor Augen geführt, wie es ist, diese Lust des Konsums nicht sofort genießen zu können. Zum ersten Mal sind wir stärker auf uns selbst zurückgeworfen.

    Rational wissen wir schon seit langem, dass wir mit den globalen Produktionsketten mit immer steigenden Produktionsmengen einer ökologischen Katastrophe zusteuern. Jetzt erst erfahren wir aber individuell an uns selbst unsere Abhängigkeit von der Konsumgesellschaft. Deshalb werden gerade jetzt im Moment des „shut downs“ Utopien denkbar.

    Eine dieser Utopien besteht in der Entwicklung einer „Kultur der Selbstermächtigung“.

    In den verschiedensten Bereichen können neue Wege entwickelt werden, wie ungelernte, d.h. Laien quasi-künstlerische Arbeiten beginnen können, wobei sowohl ein Netzwerk an Modellen, d.h. Vorbildern (Künstlern), als auch Tutoren (in der Praxis des Trial and Error Lehrende), als auch Maschinen eine neue Rolle spielen könnten.

    Selbstermächtigung statt Konsum Wolf Werdigier 2020 iiBeispiele:

    Im Bereich der Mode könnte es eine Kombination aus Prêt-à-porter-Mode und selbstgenähten Kleidungsstücken sein.
    Im Bereich der bildenden Kunst könnte es eine Kombination aus Handy-Photographie und modernen Drucktechniken sein.
    Im Bereich der Musik könnten mit neuen Synthesizern Texte in Rhythmen und Rhythmen in Musik verwandelt werden.
    Im Bereich der Kochkunst könnten auch komplizierte Rezepte mit Hilfe neuer Geräte realisiert werden.

    All dies sind sehr spezielle Beispiele. Gemeinsam aber ist diesen die Notwendigkeit, neue Ideen, neue Designs, neue Rezepte zu entwickeln, die leicht, auch für Laien realisierbar sind. Dazu braucht es eine neue Art von Künstlern, die diese neuen Moden entwerfen und auch die notwendigen Geräte dafür definieren oder wenn notwendig, auch neu entwickeln.


  • 24. Juni

     

    SIGmund Freud:

    Die Kulturelle

    Sexualmoral und

    die Moderne Nervosität

     

    Dieser Aufsatz traf mich in meinem Innersten. Als ich ihn las, dachte ich, jetzt muss ich meine persönlichen Erinnerungen neu schreiben, mein Leben neu zu verstehen versuchen.

    Meine Mutter erzog mich nach streng religiöser Sexualmoral, was noch dadurch verschärft wurde, dass mein Vater vor allem in der Zeit meiner frühen Kindheit, viel verreist und nicht anwesend war. Er wäre mir ein völlig anderes Vorbild gewesen, aber so war ich in einer Art Geiselhaft.

    Ich dachte, dass das sexuelle Begehren ununterbrochen dieses Unglück der Entbehrung mit sich bringen muss. Es wäre mir aber nie eingefallen, dass ein bisschen mehr Kenntnis und Erfahrung mit Beziehungen mir vieles dieser Pein der Phantasien über unbekannte Kontinente ersparen hätte können.

    Damit nicht genug, schreibt Sigmund Freud: „Im allgemeinen habe ich nicht den Eindruck gewonnen, dass die sexuelle Abstinenz energische, selbständige Männer der Tat oder originelle Denker, kühne Befreier und Reformer heranbilden helfe, weit häufiger brave Schwächlinge, welche später in die große Masse eintauchen, die den von starken Individuen gegebenen Impulsen widerstrebend zu folgen pflegt.“

    Dies machte mich besonders wütend, denn hier wird deutlich, wie die Religion die sexuelle Erziehung zur Aufrechterhaltung ihrer Machtstrukturen verwendet. Es bedarf der Analysen eines Sigmund Freud, dies überhaupt erst zu begreifen. Für mich, der sich gerne als 68er bezeichnet, der mit voller Kraft für die Utopien der „Neuen Linken“ kämpfte, ist diese Sicht niederschmetternd. Dies musste ich erst verkraften. Ich malte einige Bilder dazu.

     

    image7Wolf Werdigier Sexualmoralimage4
    Wolf Werdigier Sexualmoral i image8

     

    Wehe aber der Eros wird dazu verwendet einen Alltag zu meistern, Beruf, Freunde und Familie zu stemmen, dann ist das wilde Pferd des Eros gefesselt, geknebelt und hingerichtet.

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    In Massenets Oper "Thais" versucht Athanael, ein sehr frommer Mönch, Thais, eine schöne Kurtisane, zu bewegen, ihr lustvolles Leben loszulassen und in ein Kloster zu gehen. Ich identifiziere mich sehr mit dieser Geschichte, weil es die Geschichte eines lebenslangen Irrtums ist. In Wirklichkeit hat sich Athanael in Thais verliebt und versucht, zu ihr zu finden: Er versucht, sie davon zu überzeugen, ins Kloster zu gehen. Aber er bemerkt nicht, dass diese Aktion ihn, Thais nicht näher an sie bringt, sondern im Gegenteil, er sperrt sie für immer von sich weg. Sobald sie im Kloster ist, kann er nie wieder zu ihr gehen.

     

     

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  • 23. Juni

     

    Meine kleinen Entdeckungen

     

     

    Die Langsamkeit

     

     

     

    Reframing