moderne Nervosität


  • 24. Juni

     

    SIGmund Freud:

    Die Kulturelle

    Sexualmoral und

    die Moderne Nervosität

     

    Dieser Aufsatz traf mich in meinem Innersten. Als ich ihn las, dachte ich, jetzt muss ich meine persönlichen Erinnerungen neu schreiben, mein Leben neu zu verstehen versuchen.

    Meine Mutter erzog mich nach streng religiöser Sexualmoral, was noch dadurch verschärft wurde, dass mein Vater vor allem in der Zeit meiner frühen Kindheit, viel verreist und nicht anwesend war. Er wäre mir ein völlig anderes Vorbild gewesen, aber so war ich in einer Art Geiselhaft.

    Ich dachte, dass das sexuelle Begehren ununterbrochen dieses Unglück der Entbehrung mit sich bringen muss. Es wäre mir aber nie eingefallen, dass ein bisschen mehr Kenntnis und Erfahrung mit Beziehungen mir vieles dieser Pein der Phantasien über unbekannte Kontinente ersparen hätte können.

    Damit nicht genug, schreibt Sigmund Freud: „Im allgemeinen habe ich nicht den Eindruck gewonnen, dass die sexuelle Abstinenz energische, selbständige Männer der Tat oder originelle Denker, kühne Befreier und Reformer heranbilden helfe, weit häufiger brave Schwächlinge, welche später in die große Masse eintauchen, die den von starken Individuen gegebenen Impulsen widerstrebend zu folgen pflegt.“

    Dies machte mich besonders wütend, denn hier wird deutlich, wie die Religion die sexuelle Erziehung zur Aufrechterhaltung ihrer Machtstrukturen verwendet. Es bedarf der Analysen eines Sigmund Freud, dies überhaupt erst zu begreifen. Für mich, der sich gerne als 68er bezeichnet, der mit voller Kraft für die Utopien der „Neuen Linken“ kämpfte, ist diese Sicht niederschmetternd. Dies musste ich erst verkraften. Ich malte einige Bilder dazu.

     

    image7Wolf Werdigier Sexualmoralimage4
    Wolf Werdigier Sexualmoral i image8

     

    Wehe aber der Eros wird dazu verwendet einen Alltag zu meistern, Beruf, Freunde und Familie zu stemmen, dann ist das wilde Pferd des Eros gefesselt, geknebelt und hingerichtet.

    image5

     

     

     

     


    In Massenets Oper "Thais" versucht Athanael, ein sehr frommer Mönch, Thais, eine schöne Kurtisane, zu bewegen, ihr lustvolles Leben loszulassen und in ein Kloster zu gehen. Ich identifiziere mich sehr mit dieser Geschichte, weil es die Geschichte eines lebenslangen Irrtums ist. In Wirklichkeit hat sich Athanael in Thais verliebt und versucht, zu ihr zu finden: Er versucht, sie davon zu überzeugen, ins Kloster zu gehen. Aber er bemerkt nicht, dass diese Aktion ihn, Thais nicht näher an sie bringt, sondern im Gegenteil, er sperrt sie für immer von sich weg. Sobald sie im Kloster ist, kann er nie wieder zu ihr gehen.

     

     

    image6